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June 20, 2021

Exoskelett erstattungsfähig

Ein Geschädigter muss sich nicht auf die alleinige Versorgung mit einem Aktivrollstuhl oder einem Stehrollstuhl verweisen lassen. Der Geschädigte hat vielmehr einen Anspruch auf unmittelbaren Behinderungsausgleich - im Zweifel auch durch ein Exoskelett Re-Walk, welches die Funktion der Beine ersetzt.

LSG Nordrhein-Westfalen, Urt. v. 27.02.2020 - Az. L 5 KR 675/19

Sachverhalt:

Der 1990 geborene und bei der Beklagten seit dem 1.1.2015 gegen Krankheit versicherte Kläger erlitt im Jahre 2010 einen Verkehrsunfall mit Schädelhirntrauma, traumatischer Bauchaortenruptur und multiplen Rippen- und Wirbelfrakturen. Der Kläger leidet in Folge dessen an einer inkompletten sensomotorischen Querschnittslähmung (d.h. die Oberflächensensibilität ist mäßig erhalten, der Kläger kann Schmerz, Vibration und Temperatur empfinden) mit funktionslosen Beinen und Bewegungsunfähigkeit der unteren Gliedmaßen sowie einer Allgemeinbeeinträchtigung nach multipler Wirbel- und Rückenmarksschädigung.  

Urteil:

Der Kläger hat  Anspruch auf den unmittelbaren Behinderungsausgleich durch das Exoskelett Re-Walk nach § 33 Abs. 1, Satz 1, 3. Alt. SGB V. Er muss sich  nicht auf die alleinige Versorgung mit einem Aktivrollstuhl oder einem Stehrollstuhl verweisen lassen. Das Exoskelett ersetze als orthopädisches Hilfsmittel die Funktion der Beine, in dem es das selbstständige Stehen und Gehen ermögliche.